100 Jahre      Mikrobiologische Vereinigung München e. V.     1907 - 2007
 


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der Bonmots und Apercus über das Mikroskop und die Mikroskopie
die auf unserer Homepage bisher erschienen sind



Herman Melville, der Verfasser von Billy Budd, Weißjacke, Moby Dick u. a.,
in einer brieflichen Widmung an W. Clark Russell:
Hilary ist so ein ungwöhnlicher Vogel, gleichermaßen anregend und scharfsinnig ... ... denn er ist ein Optiker, beschäftigt sich täglich mit dem Mikroskop, dem Teleskop und anderen Erfindungen zur Schärfung und Erweiterung unseres natürlichen Sehens, womit er (wie es einmal jemand überspannt ausgedrückt hat) uns Sterblichen ermöglicht, den Bereich unseres ursprünglichen und angeborenen Nichtverstehens fortschrittlich auszudehnen.



Larry Millett, als Dr. John H. Watson in Sherlock Holmes and The Red Demon (1996):

"Ich habe nichts gesehen", sagte ich.
"Das kommt davon, mein Freund, daß Sie zu beschäftigt damit waren, die Umgebung zu betrachten", sagte Holmes, der seinen Spazierstock tüchtig gebrauchte, indem er ihn beinahe mit jedem Schritt in die Erde bohrte. "Sie sind vom großen Bild, der schönen Aussicht, angetan, dem Fernblick. Sie sind ein Tourist, Watson. Mein Interesse hingegen richtet sich mehr auf die kleinen und besonderen Dinge, denn die Welt enthüllt nirgends mehr als im nahen, intimen Detail."




Why has not Man a microscopic eye?
For this plain reason, Man is not a Fly.
Say what the use, were finer optics giv'n,
T' inspect a mite, not comprehend the heav'n.

Warum hat der Mensch kein' mikroskopisch Blick?
Aus diesem simplen Grund: Er ist kein Mück'.
Was hülf's ihm, sag, mit schärf'rer Linse sehn
die Milb', jedoch den Himmel nicht verstehn.


Alexander Pope, 1733. (Übersetzung: K. Henkel)



"Wo das Teleskop aufhört, beginnt das Mikroskop. Welches von beiden bietet großartigere Bilder?"

"Philosophie ist die Mikroskopie der Gedanken."


(Victor Hugo. In: Les Miserables.)



Charles Patten Shillaber, Verfasser des Handbuchs
Photomicrography in theory and practice, 1944:

"Das Mikroskop mit seinen Hilfseinrichtungen ist von allen wissenschaftlichen Instrumenten das bei weitem am wenigsten verstandene, das am wenigsten wirkungsvoll eingesetzte und das am meisten mißbräuchlich und vorschriftswidrig angewandte."


Glenn Richards, Mikroskopie-Dozent an der University of Minnesota (um 1980):

"Es gibt viele Mikroskope, aber nur wenige Mikroskopiker."


Und der noch:
Otto Roeschke teilte am 30.3.2005 mit:
Ein gewisser Bliedner, Direktor am Gymnasium zu Eisenach
schrieb im Vorspann zu einer Lokal-Botanik für Thüringen (um 1890):

"So hat doch die Beschäftigung mit dem Pflanzenreiche
einen durchaus wohlthuenden Einfluss auf das Gemüth,
was sich darin zeigt, daß unter den Thüringer Gärtnern
kein einziger Socialdemokrat zu finden ist."


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Hüte dich davor, irgendein Objekt vorschnell zu bestimmen
oder deine Ansicht darüber zu kundzutun;
denn Einbildung und Phantasie münden oft in ein Urteil
und machen Menschen glauben, sie sähen Dinge,
während genauere Untersuchung lehrt,
daß sie nicht gar sichtbar sein können.

Wenn du das Mikroskop benützt,
schüttle ab jedes Vorurteil und gib keinen Lieblingsideen Raum;
denn wenn du das tust,
werden dich Einbildung und Launen zum Irrtum verleiten
und dich sehen lassen, was du sehen möchtest.

Bedenke daß es allein die Wahrheit ist, nach der du suchst;
und wenn du dich geirrt hast,
laß nicht die Überheblichkeit dich verführen,
in deinem Irrtum zu verharren.

Gib ohne angemessene Vorbehalte kein Urteil ab
über Dinge, die gewaltsam gedehnt oder durch Austrocknen geschrumpft sind
oder in irgendeiner anderen Weise ihren natürlichen Zustand verloren haben.

Es liegt kein Vorteil darin, irgendeinen Gegenstand
mit stärkerer Vergrößerung zu untersuchen als jener,
die ihn klar und deutlich zeigt.

HENRY BAKER
in Kapitel 15 von "Cautions in viewing Objects"
in seinem damals populären Buch:
The Microscope Made Easy
1742.

Mikroskope und Fernröhre verwirren eigentlich den reinen Menschensinn.

Johann Wolfgang von Goethe in Wilheim Meisters Lehrjahre, 1829.
(Goethe war ein eifriger Mikroskopiker, der seine Beobachtungen in anschaulichen Zeichnungen festhielt.)


Solange der Hunger nach Wissen nicht gestillt ist
und die tiefe Sehnsucht, die Wahrheit aufzudecken,
wird die Mikroskopie auch weiterhin
Mutter Naturs tiefste und schönste Geheimnisse entschleiern.

Lelio Orci & Michael Pepper, Microscopy and Art? In: Nature Reviews, Febr. 2002.

Dr. W. W. Mayo, der Gründer der Mayo-Klinik und Vater der "Gebrüder Mayo" benötigte ein Mikroskop für seine ärztliche Praxis. Ein Preis von 600 Dollar bedeutete damals, bald nach 1900, daß er und seine Frau für eine solche Anschaffung eine Hypothek auf ihr Haus aufnehmen mußten. Seine Frau entschied die Sache, indem sie meinte, wenn das Mikroskop ihm hülfe, seine Patienten wirkungsvoller zu behandeln, solle er es kaufen. Nun das Zitat:

"Die Schwierigkeit, das Mikroskop für die medizinische Praxis zu beschaffen, und sein Preis machten es in unseren Augen ungewöhnlich wertvoll - ein Grund, weshalb Charles und ich bereits als Kinder in seiner Anwendung zu Experten wurden."

Dr. William J. Mayo, 1930.

Das Mikroskop: "des Menschen vortrefflichstes, höchstes und am weitesten reichendes Werkzeug."

Adrianus Pijper, South African Journal of Science 26:58-72 (1939); kurz vor Einführung des Elektronenmikroskops.

Antonie van Leeuwenhoek, 1701:
Wer zum ersten Mal durch ein Mikroskop sieht, sagt: jetzt sehe ich dies, und dann: ich sehe jenes, und sogar ein geübter Beobachter kann genarrt werden. Auf solche Beobachtungen habe ich mehr Zeit verwandt als viele glauben würden, aber ich hatte Freude daran.


Johann August Ephraim Goeze (1773)
Man fürchte sich indessen nicht, auch diese Raubthiere der unsichtbaren Welt zu betrachten!"

C. Plinius Secundus maior (ca. 23 - 79 n. Chr.)

(Plinius der Ältere, Flottenkommandant der römischen Flotte im Hafen von Misenum, der mit der gesamten Flotte den Flüchtlingen in Pompeji und aus Herculaneum beim Ausbruch des Vesuvs zu Hilfe eilte, und noch bevor er sie erreichte, im Golf von Neapel im Schwefeldampf des Vesuvs mit Mann und Maus erstickte und im aufgewühlten Meer verschwand.
(Sein Neffe, Plinius d. Jüngere, ein bedeutender röm. Staatsmann, beobachtete den Vesuvausbruch von den Bergen oberhalb Misenums und berichtete darüber in zwei Briefen ausführlich dem römischen Historiker Publius Cornelius Tacitus.)
P. d. Ältere hinterließ als bedeutendes Werk:

Naturalis historia (Naturgeschichte in 37 Büchern);

Zitat aus Liber (Band) XI [4]:
sed turrigeros elephantorum miramur umeros taurorumque colla et truces in sublime iactus, tigrium rapinas, leonum iubas, cum rerum natura nusquam magis quam in minimis tota sit. quapropter quaeso ne legentes, quoniam ex his spernunt multa, etiam relata fastidio damnent, cum in contemplatione naturae nihil possit videri supervacuum.

Freie Übersetzung:
Wir aber bewundern die Schultern der Elefanten, die Türme tragen, die erschrecklichen Kräfte des Nackens bei den Ochsen, mit welchen sie, was vor sie kommt, in die Höhe schleudern; die Geschwindigkeit und Wut der Tiger beim Raube, die Mähnen der Löwen. Und doch zeigt sich die Natur der Dinge nirgends so vollkommen wie im Kleinen.



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