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Ein fossilisierter Koniferenpollen

Koniferenpollen, azetolysiert

Fossile Pollen aus Hochmooren, vom Seegrund oder aus Gesteinsschichten sind im Laufe der Jahrtausende durch Druck und Scherkräfte deformiert oder zerrissen worden. Nur selten findet man ein Korn in der usprünglichen "Idealform". Die Aufbereitung solcher Proben mit Kalilauge, Natriumchloratlösung, Salz- oder Schwefelsäure hinterläßt dann noch zusätzlich ihre Wirkungen, gibt ihnen sozusagen den Rest. Die Pollenkörner entsprechen nun nicht mehr den Idealformen. Hinzu kommt, daß nach so langer Zeit vom Pollenkorn nur noch die äußere Hülle, die deformierte und zerrissene Exine übrig geblieben ist und es unbeschädigten Pollenkörnern nicht mehr sehr "ähnlich" sieht.

Deshalb bereitet man selbstgesammelte rezente Pollen zu Vergleichspräparaten so auf, daß sie den zerquetschten und aufgeplatzten fossilen gleichen, man fossilisiert sie. Das dazu verwendete Azetolysegemisch nach Erdtman besteht aus Essigsäureanhydrid und konzentrierter Schwefelsäure. Es ramponiert die Pollenhülle stark, kann aber seine Substanz nicht auflösen. Ohne solche Vergleichspräparate ist die zuverlässige Bestimmung der fossilen Pollen bei der Pollenanalyse nicht möglich.

Das fotografierte Pollenkorn ist fossilisiert, mit dem Azetolysegemisch künstlich gealtert. Es war ein nicht identifizierter "Beifang" und wurde erst im fertigen Präparat zwischen Eichenpollen entdeckt. In dieser demolierten Form ist es aber nicht sicher bestimmbar. Von Kiefer bis Tanne ist alles möglich.

In der Bestimmungsliteratur für Blütenpollen werden für fotografische Aufnahmen noch immer feinkörnige und kontrastreiche Schwarzweißfilme verwendet.

Präparat und Foto: Klaus Henkel



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